Verfasst von: grr | Februar 10, 2009

Terminologie des Bio-Biedermeier

Allgemeiner Teil:

Alles wird konstruiert. Identitäten sowieso. Beispiel: Über gewisse Dinge wird nicht nachgedacht. Dann werden ihnen andere Namen gegeben. Mit diesen Namen entstehen neue Identitäten. Diese Identitäten rufen Wertungen hervor. Wertungen wohnt inne, dass sie unterschiedlich sein können. Unterschiedliche Wertungen heißt automatisch jeweilige AnhängerInnen. Und plötzlich gibt es über ein Ding, über das man nie nachgedachthat hat, verschiedene Meinungen. Und dann ist man an dem Punkt angelangt, an dem man sich auch entscheiden muss. Und das ist dann der Anfang von vielen Innovationen und vielen Grauslichkeiten.

Persönliche Bezugspunkte:

Über den Begriff „Lebensmensch“ wurden noch unerwartet wenige Witze gemacht. Das österreichische Kommunikations-Novum, dass gleich drei Personen einer ihnen beruflich verbundenen Person eben diese Beschreibung verpassen, war schon oha. Nun habe ich gestern erfahren, dass Thomas Bernhard der Schöpfer dieses nicht klar bewerteten Begriffs sein. Das wirft Fragen auf: Wo beginnt Vereinnahmung? Und sind sich die Akteure dessen überhaupt bewusst? Wer gibt den Startschuss? Wo beginnt die Lächerlichkeit? Und warum sind solche Dinge in diesem Land möglich? Mit großer Wahrscheinlichkeit sind sich die Akteure dessen nicht bewusst. Und zu einer Vereinnahmung wird es (wer weiß) nie kommen. Es hat in ihren Ohren halt gut geklungen. Oder frei nach Schlagermusikant in Bezug auf historische Wirklichkeits-Konstruktionen: „Tausend Jahre sind ein Tag“.

(fetizige Zwischenüberschrift bitte hier einfügen!!!1)

Gestern in einem meiner favorisierten Lokale: Draußen Kälte, Wärme benötigt. Ein wohlschmeckendes Tee-Getränk mit Milch. (Ja, klar nennt sich das Chai. Aber ich komm nicht drumherum, immer vor Augen zu haben, dass chai einfach Tee bedeutet. Einfach Tee. In sovielen Sprachen. Während sich „chai“ für das Getränk auf dem Landweg etablierte, und „Tee“ auf dem Seeweg. Jetzt hör ich aber auf, unverlinkt die Wikipedia zu zitierenund verlinke hiermit auf die Patchwork-Mutter der Wahrheit: link)

Zurück zum Ende des Anfangs: Wir bestellen also Chai. Darauf die Frage:

„Soja- oder Kuhmilch?“

Nun ist das natürlich eine berechtigte Frage. Schließlich bevorzugen viele Menschen Sojamilch. Und das ist ihr gutes Recht. Ich für meinen Teil bevorzuge Kuhmilch. Nun hab ich nach dem Schreiben dieses Wortes aber ein seltsames Gefühl. Bis gestern war das Wort „Milch“ oder zumindest die Kombination „normale Milch“ in meiner Spreche/Schreibe/Denke (Reihung austauschbar) absolut dominant. Doch gestern sprach ich den neuen Konkurrenten aus: „Kuhmilch bitte“. Und damit hat er sich manifestiert. Seitdem nagt der Zweifel mit seinem perfiden Hammer in meinem Kopf. Und das, obwohl ein Zweifel schwer mit einem Hammer nagen kann. Das passt nämlich nicht zusammen. Ist Milch nicht einfach nur „das durch regelmäßiges Ausmelken des Euters gewonnene und gründlich durchmischte Gemelk von einer oder mehreren Kühen, aus einer oder mehreren Melkzeiten“, um die Wikipedia und damit auch das Deutsche Milchgesetz ordnungsgemäß zu zitieren? Ok. Synonym hin oder her. Aber: „Kuhmilchschokolade“? „Kinder Kuhmilch-Riegel“? „Kuhmilchreis“? „Wollen Sie die Scheibe jetzt soja- oder kuhmilchig“? Ich weiß es nicht. Der Chaitee war übrigens großartig.

Und letztlich die längst überfällige Selbstkritik: Warum schreibe/denke/sage ich eigentlich fast nie „Vormärz„?

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Responses

  1. meine ansicht: „kuhmilch“ ! geht gar nicht! die abhängigkeiten des säuglingsalters verdrängt, versucht man sich eine einigermassen verträgliche wirklichkeit, aller Nahrung gibts auch beim Wirten oder im Plastiksackerl, zu konstruieren und dann kommt etwas so verdorben handwarmes wie die Frage „Kuhmilch oder Sojamilch? “ daher. da dachte man, man hat das doch alles längst hinter sich und sieht sich dann doch wieder verstohlen am euter saugen!? was für eine sauerei! da vergess ich doch lieber wieder meine früh-infantilität und gönn mir tierprodukte, über deren position in der nahrungskette längst entschieden wurde und bestell mir zur „ente knusprig“ oder zur „á l ´orange“ höchstens ein glaserl sojamilch.


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