Verfasst von: grr | November 29, 2008

Grebe und der Skisprung der Versöhnung

Rassismus in Österreich: nicht gerade latent. Anders, wenn es unsere nördlichen Nachbarn betrifft, die sich ja bekanntlich durch die gleiche Sprache von uns unterscheiden.

Folgendes gilt parteiübergreifend:

1) Die Deutschen sind präpotent

2) Die Deutschen sind viel zu direkt

3) Die Deutschen können nicht Skifahren

4) DIe Deutschen können nicht mehr Skispringen

5) Die Deutschen haben keine guten Kabarettisten

Die Punkte 1) bis 3) sind jetzt mal egal.

ad 4)

Sven Hannawald gewann 2001/2002 alle Springen der Vierschanzentournee. Das war bitter. Vor allem für die Veranstalter. Das ist ja generell so, wenn ein konstruierter Mythos zerbricht. Etwa, wenn Rapid in den letzten 15 Minuten noch ein Spiel verliert. Oder der tatsächliche auch der moralische Sieger ist. Oder überhaupt wenn Geld auch schönen Fußball spielt. Oder wenn ein Rockstar seinen 29. Geburtstag feiert. Oder wenn man sich beim Nulldefizit schlicht und einfach verrechnet hat. Oder eben wenn einer alle vier Springen der Vierschanzentournee gewinnt. Und dann auch noch ein Deutscher. Dem wirft man dann auch noch vor, dass er magersüchtig ist. Und das als Skispringer!

Seitdem hat sich im schönsten aller Wintersportarten einiges geändert. Stichwort Kusamo. Beim heutigen Teamspringen: 1) Finnland, 2) Österreich, 3) Deutschland. Noch vor den immer besser werdenen Russen. Denen werfen die Kommentatoren für gewöhnlich Übergewicht vor. Bizarr. Sowie der Vorwurf an Dieter Thoma. „Der muss immer zwei Meter weiter springen, weil er nicht landen kann.“ Zwei Meter verheißen rund 3,2 Punkte. Das ist in der ästhetischsten aller Wintersportarten nicht wenig. Man bedenke: Ein Kacherl bringt ein durchschnittliches Minus von etwa 2 Punkten. Dass Goldberger immer nach rechts zog und so einiges einbüßte? Kein Thema. Rechtsdrift ist hierzulande ja generell…okay. heute nicht.

Fazit: Die Deutschen können Skispringen. Die Österreicher sind halt den einen Telemark besser. Diese bizarre Regel enstand übrigens 1883 und ist nach einer Provinz in Norwegen benannt. Dafür sind die Österreicher dann auch noch: jung, fesch, frech, bodenständig.

Thomas Morgenstern, Kurier, 25.11.2008, Auswahl:

„Wenn ich einmal etwas Großes erreicht habe, dann will ich noch etwas Größeres erreichen. Das ist in mir drin“

„Ich bin besessen vom Erfolg“

„Die Leute mögen uns offenbar“

„Es ist schön, angehimmelt zu werden“

„Nur die wenigsten können nachvollziehen, was wir in der Luft genau machen“

Das ist starker Tobak. Man vergleiche:

Ernst Vettori: „Wenn die Vögel mich fliegen sehen, gehen sie lieber zu Fuß“ (bemüht, aber strange)

Martin Höllwarth: Ich muss mich nun einfach von Sprung zu Sprung steigern“ (pff…)

Andreas Goldberger: „Das wird händisch oder manuell mit den Füßen durchgetreten“ (no comment)

Vom Mann mit dem Milka-Helm Martin Schmitt hört man wenig. Mitleid vielleicht. RTL ärgert sich wahrscheinlich stündlich über teuer bezahlten Übertragungsrechte.

In der Alltime-Werung der Tournee führt Deutschland überlegen. Wobei: 16 Siege gesamt, 11 davon im Namen der DDR. Österreich ist Vierter. Also: Phasen machen noch keine Trendumkehr. Muss leider gesagt werden.

Exkurs (beschämend oberflächlich und unreflektiert):1968 ging es rund in Deutschland. In Österreich kaum. Ein bissi demonstrieren, ein bissi auf die Eltern schimpfen, ein bissi im Hörsaal onanieren.

Grund für den Exkurs: Keine andere Idee für eine Überleitung.

ad 5)

Österreich sagt:„Die Deutschen haben ja gar keine Kabarettisten, die haben nur Comedians.“

Ich sage oft das gleiche. Dennoch: Kein/-e österreichische/-r Kabarettist/-in bringt Lachen und Weinen. Das kann nur einer. Rainald Grebe.

Ich kannte Grebe vor eineinhalb Jahren noch gar nicht. Danke nunu, by the way. Ich sah ihn in Linz. Ich youtube-google ihn stündlich. Ich hab sein Buch gelesen. Und es sogar großartig gefunden. Ich huldige ihm ohne Einschränkung. Und das tu ich für gewöhnlich nicht.

Fazit einer lückenhaften und holprigen Metaphorik:

Für ÖsterreicherInnen sind deutsche KabarettistInnen oft wie der Skisprung an sich für diesbezüglich Uninformierte. Immer das gleiche, immer total fad. Falsch: Es gibt Rainald Grebe und es gab den den großen Kazuyoshi Funaki. Beide fliegen schön und landen fesch. Und das immer ein paar Meter weiter als die Konkurrenz. Und das im Telemark. 5mal 20.

Hans Schmöller hat es geschafft. Seit Ende November 2008 ist er das Gesicht der örtlichen Land Art-Genossenschaft.

Hans S. hat es geschafft. Seit Ende November 2008 ist er das Gesicht der örtlichen Land Art-Genossenschaft.

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